Schön formuliert!


Von passenden Worten und kleinen Umwegen

Manchmal ist es nicht einfach, die passenden Worte zu finden. Wir kauen auf ihnen herum und drehen uns mit ihnen im Kreis, wägen ab, streichen durch, schreiben neu – immer wieder, bis es passt oder auch nicht. Wenn nicht, verwerfen wir den Gedanken und widmen uns anderen Sätzen, die uns leichter fallen. Bis zu dem Moment an dem wir wieder einen Gedanken haben, der sich nicht in Worte fassen lassen will. Was also tun, wenn uns die Worte fehlen? 

 

In solchen Fällen mache ich Folgendes: Oben auf ein leeres Blatt schreibe ich den Gedanken, der gerade meine Hirnwindungen zum Glühen bringt und mir die letzten Nerven raubt. Ohne weiter darüber nachzudenken schreibe ich darunter alles auf, was mir zu diesem Gedanken in den Sinn kommt: Passendes, Unpassendes, Verrücktes, Sinniges, sich Reimendes, Wiederholendes, Entgegengesetzes - einfach alles, was mir bewusst oder unbewusst dazu einfällt schreibe ich auf. Orthographie, (Schön-)Schrift, Struktur – alles irrelevant. Relevant ist nur, was auf diesem Blatt jetzt steht. Denn beim unkontrollierten Rausschreiben werden Prozesse in Gang gesetzt, die die ein oder andere gedankliche Verkantung schon während des Schreibens lösen. 

 

Im Anschluss lese ich das Geschriebene durch. An dem einen oder an mehreren Worten oder Gedanken bleibe ich haften, markiere sie, andere streiche ich gleich wieder. Vielleicht sind hier schon die passenden Worte dabei und eine passende Formulierung ist schnell gefunden. Vielleicht fühlt sich der Gedanke aber auch nur schon etwas weniger eckig und kantig an. Dann beginnt die zweite Runde und vielleicht folgen noch weitere. Ja, manchmal dauert die Formulierung eines Satzes etwas länger. Doch genau darauf kommt es an. Wichtig ist, dass der Gedanke nicht verloren geht. Sind es doch meistens genau die Gedanken die wichtig sind, die unverblümt den Kern treffen und den Text so werden lassen wie er wirklich sein soll. 

 

Mein Tipp: Ob etwas gut oder schön formuliert ist, obliegt der Meinung und dem Empfinden deines Lesers. Ob etwas aber authentisch und für Dich stimmig formuliert ist, entscheidest Du selbst. Probiere es aus, gönn Dir den Umweg und schreib drauf los, wenn es hakt. Schau was passiert und schau ob der Text so zu Deinem Text wird!

 

Deine Birke